Leitzentrale OP-Saal

Veröffentlicht am 18. September 2009

Veröffentlicht am 18. September 2009

Leipzig, 18.09.2009 - Paradigmenweichsel in der Chirurgie. Das KARL STORZ Gesamtkonzept für einen spezialchirurgischen OP des International Reference and Development Centres for Surgical Technology (IRDC) bettet den Operationssaal nahtlos ein in den kompletten Arbeitsablauf einer Klinik. Vom Check-in des Patienten bis zur Nachsorge steuert dieses System alle Datenströme für eine individuelle und sichere Behandlung. In den modernen OP-Einheiten laufen die medizinischen Informationskanäle zusammen. Das Hightech-Zentrum ist außerdem Logistikschnittpunkt. Personal, OP-Technik und Verbrauchsmaterial werden hier koordiniert .

„Sobald ein Patient zum ersten Mal unser Haus betritt, liegen die patientenspezifischen Informationen wie Blutwerte, Vorerkrankungen und Unverträglichkeiten auf unserem Zentralrechner. Angeschlossene Mediziner können sie online übertragen“, berichtet Chirurg Dr. Gero Strauß, Direktor des IRDC. Dieser neue Hightech-Hotspot kombiniert ein Forschungs-, Entwicklungs- und Trainingszentrum für chirurgische Technologien mit einer Klinik. Minimal-invasive Eingriffe in den Bereichen HNO, Orthopädie, Kinderchirurgie, Neurochirurgie oder Urologie werden hier durchgeführt. Elektronische Krankenakten speichern automatisch alle Daten wie hoch aufgelöste CT- und MRT-Bilder, digitale Prothesengeometrien, Nervenstromanalysen oder elektronische Atlasdaten – sowie alle aktuellen Diagnosen. „Dieser ‚Datenberg‘ wird in unserem OP-System analysiert, die Vielzahl an Informationen verknüpft und nutzbar gemacht.“

Untersuchungen im Behandlungsraum werden im Full-HD-Standard aufgezeichnet. Ein Hochleistungscomputer ermöglicht die dreidimensionale virtuelle Endoskopie beispielsweise von Nase, Ohr oder Hals. Anhand der Bilder kann der Chirurg die OP-Vorbereitung perfektionieren und dem Patienten seine genaue Operationsstrategie erklären. Alle Informationen laufen im KARL STORZ Surgical CockpitTM zusammen. Es ist die Leitzentrale des Chirurgen und Herzstück des KARL STORZ Gesamtkonzeptes für einen spezialchirurgischen OP. Das Leipziger Referenzzentrum vereint die Produkte und Prototypen aus dem Bereich chirurgische Automation des Traditionsunternehmens KARL STORZ, Tuttlingen, sowie seiner Partner – wie MedPlan Engineering, KLS Martin, Trumpf, Zeiss und Siemens Medical Enterprises. Weltweit zum ersten Mal ist eine komplette HNO-chirurgische Behandlungseinheit von KARL STORZ im IRDC zu sehen.

„Das OP-Konzept wird zu einer echten Assistenz des Chirurgen. Die für den Eingriff wesentlichen Parameter werden in der hochgenauen Planungs- und Steuereinheit des Surgical Cockpits vernetzt und für das OP-Navigationssystem aufbereitet“, berichtet Gero Strauß. „Schon vor dem OP-Termin können die Operateure optimale Zugänge millimetergenau festlegen, testen oder mit Fachkollegen diskutieren.“

Während der Operation zeigt das Hightech-Werkzeug spezielle Positions- oder Richtungshinweise an. Ein Warnkonzept sorgt für zusätzliche Sicherheit. Stößt der Chirurg in kritische Areale vor, gibt der Computer ein Signal und schaltet ab. So bleibt zum Beispiel empfindliches Nervengewebe unverletzt. Dafür überwachen Kameras kontinuierlich jede Position der OP-Instrumente. Die entsprechenden Koordinaten hat der Chirurg schon im Vorfeld in das Navigationssystem programmiert. Bei besonders anspruchsvollen Eingriffen helfen neu entwickelte Mikromanipulatoren. Diese optimieren die Bewegung der menschlichen Hand, aus Feinmotorik wird Feinstmotorik. Weitere Geräte führen das Endoskop, so hat der Chirurg seine eine Hand für zusätzliche Aktionen frei.

„Doch auch der OP-Saal wurde komplett neu organisiert. Das gesamte Equipment hängt an der Decke, der Bedienplatz ähnelt einer Pilotenkabine“, erklärt Dr. Gero Strauß. „Trotz der vielen Hightech wirkt alles sehr aufgeräumt. Technik sowie 30 Kilometer Kabel sind gut verkleidet oder außerhalb des Operationssaals installiert. Das Team hat volle Bewegungsfreiheit.“

Verschiedene Monitore zeigen Videobilder, die beispielsweise eine Kamera am Endoskop aus dem Inneren des Körpers in Full-HD-Qualität sendet. Nur wirklich wichtige Daten präsentiert der „digitale Assistent“ während der Operation automatisch. Jederzeit kann der Chirurg aber weitere Details einblenden lassen. Auf Wunsch schaltet er per Videokonferenz Fachkollegen zu, holt deren Meinung ein. Die Technik lässt sich sowohl über ein integriertes Sprach- und Gesten-Erkennungssystem bedienen als auch über Touch-Screen-Interfaces. Spezifische Checklisten nach Vorgaben der World Health Organisation (WHO) erleichtern den Operationsablauf.

Wie ein Flugschreiber zeichnet eine Black Box den OP-Ablauf auf, ohne Unterbrechung verfolgt das wache Auge einer Kamera jede Aktion. Dieses Dokumentationssystem sichert vom voroperativen Befund bis zum Therapieresultat alle Daten – inklusive Audioaufzeichnungen, kommentierten Bildern und Filmen in Full-HD-Qualität.

Patient, Operateur, der Behandlungsprozess und die komplette OP-Umgebung sind eingebettet in eine reibungslose Logistik. Diese überwacht die Lebenszyklen der Werkzeuge, sorgt für optimale Zeiteinteilung und Instrumentenmanagement. Damit ist von Beginn an garantiert, dass jedes Skalpell und jedes Medikament sowie das Personal zur rechten Zeit am richtigen Ort sind.

Zum KARL STORZ Gesamtkonzept für einen spezialchirurgischen OP gehört auch ein Multimediasystem, das sich aus dem Patientenzimmer abrufen lässt. Es ermöglicht von dort sogar den Zugriff auf Teile der Patientenakte. Zudem erhält der Patient bei Abreise einen automatisch erstellten elektronischen OP-Report. Auf Wunsch wird dieser an den überweisenden Arzt versendet. Die Aufzeichnung ersetzt den üblichen Arztbrief, erläutert unter anderem die Operation Schritt für Schritt in Wort und Bild.

„Die Chirurgie beginnt beim Ein- und endet bei Aus-Checken. Der Operationssaal ist keine Insel und der Chirurg Teil eines Gesamtprozesses“, unterstreicht Gero Strauß. „Viele bisherige Lösungen bestehen aus teilweise inkompatiblen Komponenten. Aufeinander abgestimmte Technik entlastet das OP-Team von Routineaufgaben. Der Chirurg arbeitet besser und zuverlässiger als zuvor.“

Weitere Informationen: www.irdc-leipzig.de

Für Anfragen und Anmeldungen für Interviews, Dreh- und Fototermine steht zur Verfügung:

IRDC GmbH
PD Dr. Gero Strauß
Direktor IRDC
Käthe-Kollwitz-Straße 64
04109 Leipzig
Deutschland
Fon: +49 (0)341 – 33 73 31 60
Fax: +49 (0)341 – 33 73 31 63
E-Mail: i.gollnick@irdc-leipzig.de

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