Hintergrund: Leipzig, der Standort des IRDC

Veröffentlicht am 18. September 2009
Messestadt, Buchstadt, Wissenschaftsstadt: Leipzig blickt auf eine glanzvolle Geschichte zurück und beherbergt nun mit dem International Reference and Development Centre for Surgical Technology (IRDC) einen neues Hightech-Highlight

Glanzvolles Leipzig

Musikstadt, Buchstadt, Messestadt, Heldenstadt – Leipzig hat viele Namen. Johann Sebastian Bach schrieb als Thomaskantor Motteten und Kantaten für den weltbekannten Thomanerchor. Felix Mendelssohn Bartholdy dirigierte hier das Gewandhausorchester und gründete 1843 mit dem Konservatorium die erste Musikhochschule Deutschlands. Für die Tradition als Heimat der Bücher stehen die Deutsche Bücherei und das Lesefest Leipziger Buchmesse. Reclamkarree und Villa Meyer erinnern an die namhaften Verlage, die einst an der Pleiße ihren Sitz hatten. Auch die Baedekervilla, die das IRDC beherbergt, ist Zeugin der Glanzzeiten Leipzigs als „Kapitale des gedruckten Wortes“ (Fritz J. Raddatz). Am deutlichsten jedoch bestimmte die Messe den Rhythmus der Stadt, prägt ihr Bild bis heute. Denn Leipzig ist um einen Marktplatz herum entstanden: Hier kreuzten sich die wichtigsten Handelsstraßen Europas Via Imperii und Via Regia. Der rege Handel ließ die Stadt reich werden, prachtvolle Messehäuser und Passagen entstehen – wie das Städtische Kaufhaus, 1896 als weltweit erster „Meß-Palast“ eingeweiht. „Die Leipziger ist die einzige Messe der Welt, die sich eine eigene Stadt hält“, sagt eine Redensart. Mit dem Alten Rathaus blieb Leipzig ebenso eines der schönsten deutschen Renaissancebauwerke erhalten, im 16. Jahrhundert zwischen zwei Messen errichtet. Schon sprichwörtlich ist der Leipziger Größenwahn. Doch die Leipziger verstehen auf sympathische Art, daraus Visionen zu entwickeln. 1989 schrieben die Friedensgebete in der Nikolaikirche und die Montagsdemonstrationen Wendegeschichte, wurden Auslöser der friedlichen Revolution und der deutschen Wiedervereinigung. Dies brachte Leipzig den Beinamen „Heldenstadt“ ein. Heute zählt die Halbmillionenstadt zu den zukunftsträchtigsten Plätzen Deutschlands.

Heimat für Wissenschaft und Chirurgie

Seit Jahrhunderten ist Leipzig Hochburg studentischen Lebens und ehrwürdiger Wissenschaft: Die 1409 gegründete Alma mater Lipsiensis ist die zweitälteste Universität Deutschlands mit durchgehendem Lehrbetrieb. 1580 wurde der Lehrstuhl für Chirurgie und Anatomie eingerichtet. Vor allem gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte die Chirurgie hier einen Aufwärtstrend. In Leipzig tätige Chirurgen erlangten Weltgeltung. Mit dem 1867 in die chirurgische Professur berufenen Carl Thiersch begann die Zeit der klassischen Chirurgen. Er war im 19. Jahrhundert einer der bedeutendsten Vertreter seiner Zunft – bekannt wurde er unter anderem durch Verfahren der Hauttransplantation sowie der plastischen Chirurgie. Thierschs Nachfolger Friedrich Trendelenburg gehörte zu den Mitbegründern der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Der Pionier der modernen Chirurgie erfand medizinische Geräte und Behandlungsmethoden, wurde berühmt durch die Trendelenburgsche Operation zur Entfernung von Embolien aus der Lungenschlagader. Ein weiterer großer Name in der Leipziger „Ahnentafel“ ist Erwin Payr, unter anderem verbunden mit der Entwicklung der Organtransplantation. Payr folgte Trendelenburg auf den Lehrstuhl und übernahm die zur damaligen Zeit größte chirurgische Klinik in Deutschland. Der Meister seines Faches war bekannt für seine 15-Stunden-Tage mit täglichen Visiten, um jeden Patienten kennen zu lernen. Zu den herausragenden Chirurgen in Leipzig zählt ebenso Ernst Heller, von 1920 bis 1949 Chefarzt der Chirurgischen Klinik des Städtischen Klinikums St. Georg sowie später Inhaber des Chirurgie-Lehrstuhls der Leipziger Universität. Neben seinen Verdiensten in der Brustkorb- und Lungenchirurgie revolutionierte er die Gestaltung von Licht und Farbe im Operationssaal. Heute ist Leipzig wieder bedeutendes Zentrum für medizinische Lehre, Spitzenforschung und klinische Praxis. Mit dem IRDC erfährt der Medizinstandort eine weitere wichtige Ergänzung.

Heimstatt des IRDC: die Baedeker-Villa

Das IRDC residiert in einer der schönsten Leipziger Stadtvillen. Das Gebäude wurde zwischen Juni 1874 und Dezember 1875 für Fritz Baedeker unter Baudirektor Hoffmann als Familienstammsitz errichtet. Die Familie Baedeker beschäftigte sich zu dieser Zeit bereits seit Generationen mit Büchern. Im Jahre 1872 hatten Fritz und Karl Baedeker den Firmensitz des erfolgreichen Reisehandbuchgeschäfts von Koblenz nach Leipzig verlegt. Ungefähr zwei Jahrzehnte nach ihrer Errichtung wird die Villa grundlegend umgebaut. Zugunsten eines einnehmenden Anbaus muss das alte Treppenhaus weichen, die Diele wird mit den zum Garten gelegenen Räumen zu einem Raum repräsentativer Größe vereint. Architekt Bruno Eelbo versteht es, die bauliche und stilgeschichtliche Entwicklung der vorangegangenen Jahrzehnte architektonisch und gestalterisch zusammenzuführen sowie Akzente in dem wintergartenähnlichen Anbau zu setzen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlässt die Familie Baedeker Leipzig endgültig, das Verlagsgeschäft wird nach Westdeutschland verlegt. Seit 1953 wurde die Villa in der Käthe-Kollwitz-Straße 64 unter staatliche Verwaltung gestellt und bis 1998 als Jugendherberge „Georg Schumann“ genutzt. In dieser Zeit wurden Putz und Stuck wegsaniert, der Garten über- und eine Küche angebaut. Heute erstrahlt die Leipziger Villa wieder in altem und neuem Glanz.

Weitere Informationen: www.irdc-leipzig.de

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