Die Technik im IRDC

Veröffentlicht am 18. September 2009

Das KARL STORZ Gesamtkonzept für einen spezialchirurgischen OP als Basis des IRDC besteht aus zahlreichen modular aufgebauten Einzelkomponenten. Es integriert neue Operationstechnik, die so zum ersten Mal in ein chirurgisches Komplettsystem eingebunden ist. Hier ein Glossar der wichtigsten Module und damit verbundenen Fachbegriffe:

Bildgebende Verfahren (CT, MRT, Endoskopie, Mikroskopie, PDD/AF)

Die bekanntesten radiologischen bildgebenden Verfahren sind sicherlich nach wie vor das klassische zweidimensionale Röntgen sowie die Ultraschalluntersuchung. Doch inzwischen sind zahlreiche moderne Technologien hinzugekommen wie zum Beispiel Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT). Die Computertomografie ist ein auf Röntgenstrahlen basierendes Diagnoseverfahren, das computergesteuert Schnittbilder verschiedener Körperteile erzeugt. Für diese Tomogramme wird ein feiner Röntgenstrahl durch die untersuchte Gewebeschicht gesendet. Damit der Computer ein dreidimensionales Bild errechnen kann, werden die betroffenen Regionen aus verschiedenen Richtungen aufgenommen und die einzelnen Schnittbilder zusammengesetzt. Eine Alternative zur CT ist die Magnetresonanztomografie – auch als Kernspintomografie bekannt. Hauptvorteil: Die MRT verwendet keine Röntgenstrahlen, sondern elektromagnetische Schwingungen. Weichteile sind auch ohne Kontrastmittel in hoher Auflösung deutlich sichtbar.

Bei den optischen Verfahren sind vor allem die Endoskopie und Mikroskopie zu nennen – auch in Verbindung mit der Photodynamischen Diagnostik (PDD) und der Autofluoreszenz-Technik (AF). Die Endoskopie ist ein diagnostisches Verfahren zur Untersuchung von Körperhöhlen sowie -kanälen und Hohlorganen – zum Beispiel des Magen-Darm-Traktes. Endoskope sind spezielle Instrumente mit Beleuchtung und Optiksystem. Moderne Kamerasysteme übertragen die Bilder aus dem Inneren des Körpers in HD-Qualität. Die 16:10 Breitbilddarstellung verbessert die Orientierung für den Chirurgen. Mit Blaulicht und speziell abgestimmten Endoskopen lässt sich bei der Untersuchung visualisieren, was unter herkömmlichem Licht nicht sichtbar ist: PDD und AF grenzen erkennbar schon frühe bösartige Veränderungen gegenüber gesundem Gewebe ab. Dazu wird Licht einer speziellen Spektralzusammensetzung über ein nahezu verlustfreies Lichtleitersystem endoskopisch in den Körper geleitet. Mit Hilfe der Mikroskopie werden Strukturen im Inneren des Körpers so vergrößert, dass diese vom Chirurgen visuell wahrgenommen werden können und damit eine Orientierung möglich wird. Auch hier übertragen moderne Kamerasysteme die Bilder in HD-Qualität.

Chirurgische Navigationssysteme

Chirurgische Navigationssysteme sind ein wichtiger Bestandteil der computerassistierten Chirurgie. Sie unterstützen den Chirurgen bei der Arbeit – er selbst führt allerdings die Instrumente, kontrolliert und beherrscht den gesamten Operationsprozess. Die Aufnahmen und Darstellungen aus bildgebenden Verfahren sind Ausgangspunkt für Computersimulationen, die detaillierte OP-Planungen zulassen. Daraus werden Koordinaten für die genaue Positionierung und Führung der Instrumente während des Eingriffs errechnet. Warnfunktionen ergänzen diese Technik – sie lösen Alarm aus, wenn vorher festgelegte Operationsgrenzen überschritten und empfindliche Areale gefährdet sind. In den OP-Sälen der neuesten Generation schalten sich in diesem Fall die chirurgischen Werkzeuge automatisch ab.

Computerassistierte Chirurgie

Computerassistierte Chirurgie (CAS) bedeutet die Unterstützung des Chirurgen durch computergesteuerte Technik vor und während der Operation. Der Eingriff wird am Computer im Detail simuliert. CAS hat vor allem gemeinsam mit der minimal-invasiven Chirurgie ihren Siegeszug angetreten. Digitale Bildinformationen helfen, während der OP Instrumente genau zu lokalisieren und zu führen. Wesentliche Voraussetzung war ein technischer Quantensprung bei den OP-Instrumenten und der Rechenleistung, die Weiterentwicklung optischer Hilfsmittel wie Endoskop und OP-Mikroskop sowie die Verbesserung bildgebender Verfahren. Da bei CAS besonders Planung und Test optimaler OP-Zugänge im Mittelpunkt stehen, findet sie vor allem Anwendung in chirurgischen Disziplinen mit schwer zugänglichen OP-Regionen wie Neurochirurgie, Hals-Nasen-Ohren-Chirurgie, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Wirbelsäulen- sowie Gelenkchirurgie.

Dokumentenmanagement

Dokumentenmanagement bedeutet: Verwalten von Dokumente in verschiedensten Formen, die sich an diversen Orten befinden, um jederzeit schnellen und sicheren Zugriff zu ermöglichen. Zur ärztlichen Dokumentation zählen im Wesentlichen Aufzeichnungen über Diagnose und Therapieverlauf, Patientenaufklärung sowie möglicher Patientenentscheidungen. Moderne Operationssäle sind an das elektronische Dokumentenmanagement angekoppelt, so dass der Chirurg aus dem OP auf alle Informationen zugreifen sowie neue ergänzen beziehungsweise ablegen kann. Auch der Zugriff aus angeschlossenen autorisierten Arztpraxen ist möglich.

Elektronische Patientenakte

Digital abgelegte und elektronisch verfügbare Akte mit allen Patientendaten wie Krankengeschichte, Krankheits- und Behandlungsverlauf, Vitaldaten wie Blutdruckwerte, Medikationen, Unverträglichkeiten, Impfungen, Arztbriefen oder Darstellungen aus bildgebenden Verfahren.

HD/Full HD

HD steht für High Definition – hoch aufgelöste Bilder. Massenanwendung fand die Technologie beim hoch auflösenden Fernsehen HDTV. Von Full HD – vollständig hoch auflösend – spricht man bei Darstellungen von 1920 x 1080 Bildpunkten.

Mikromanipulatoren

Mikromanipulatoren unterstützen die Chirurgen bei filigranen Eingriffen. Diese Geräte präzisieren die verhältnismäßig groben Bewegungen der Hand, filtern das natürliche Zittern heraus. Resultat sind akkurate wohldosierte Bewegungen der Instrumente.

Minimal-invasive Chirurgie

Bei minimal-invasiven Eingriffen erfolgt ein schonender Operationszugang über Körperhöhlen wie Hals oder Nase, Harnröhre beziehungsweise über sehr kleine Hautschnitte. Deshalb spricht man auch von Schlüsselloch-Chirurgie. Die Entwicklung der computerassistierten Chirurgie ist eng mit minimal-invasiven Operationsverfahren verbunden.

OP-Logistik

Ein effizientes OP-Management bindet den Operationssaal nahtlos in die Logistik und die Informationssysteme der Klinik ein. Belegungspläne, Verbrauchsmaterial, Medikamente und Personal werden so koordiniert und optimiert. Geräte und Material lassen sich jederzeit lokalisieren, der Lebenszyklus von Instrumenten wird automatisch und vollständig erfasst.

OR1™

Komplette Hightech-Behandlungseinheit von KARL STORZ, die zum Beispiel chirurgische Navigation genauso einbindet wie die Steuerung endoskopischer Geräte, Raumlicht, Dokumentation sowie Telemedizinanwendungen. Operationen lassen sich per Audio und Video lückenlos dokumentieren, aus dem sterilen Bereich sind Videokonferenzen mit Fachexperten oder Liveschaltungen in Hörsäle jederzeit möglich. Neu ist auch die Geräteanordnung an der Decke, die dem OP-Team volle Bewegungsfreiheit verschafft. Der OP ist in die Krankenhauslogistik, das Datenmanagement und das Mediensystem der Klinik eingebunden. Damit sind auch die Aufzeichnungen in digitalen Patientenakten während des Eingriffs verfügbar.

KARL STORZ Surgical Cockpit™

Das chirurgische Cockpit beschreibt eine ergonomische Arbeitsumgebung für den Chirurgen mit viel Bewegungsfreiheit sowie enger Vernetzung zwischen Mensch und assistierender Technik. Alle Informationen über den Patienten werden dem Chirurgen während des Eingriffs automatisch beziehungsweise auf Wunsch zur Verfügung gestellt. Zudem integriert das Surgical Cockpit Systeme für die Navigation sowie für OP-Planung und Training an virtuellen und realen Modellen.

Virtuelle Endoskopie

Die virtuelle Endoskopie ist ein Diagnoseverfahren, das Aufnahmen aus bildgebenden Verfahren nutzt. Diese Bilder werden in dreidimensionale Darstellungen umgerechnet. Vorteil: Simulierte „Flüge“ durch das Innere des Körpers – beispielsweise durch die Nasennebenhöhlen – werden möglich, ohne dass zuvor ein reales Endoskop eingeführt werden muss.

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